Die Blasen vom Abschlussmarsch sind verheilt, der Ausbildungskurs ist abgeschlossen.
Nach intensiven Abschlussübungen, in denen es darum geht, das theoretisch Gelernte praktisch in verschiedenen Situationen anzuwenden, folgen zwei sogenannte Fachdienstwochen. Dort wird jede und jeder speziell auf seinen Job im Einsatz vorbereitet. Für mich und meinen Stellvertreter heisst das Medien- und Interviewtraining, Ausbildung in Krisenkommunikation, Fotografie- und Layoutkurse. Zusätzlich die fotografische Begleitung anderer Ausbildungssequenzen, eine davon verschafft uns sogar einen Helikopterflug.
Das Zweierteam Presse- und Informationsoffiziere (PIO) hat sich in den letzten Wochen bereits gut eingespielt. Mein Stellvertreter ist zum Glück ein sehr guter Fotograf* und übernimmt Multimedia-Aufgaben wie Designs, Fotos und Videos für Social Media-Beiträge, während ich mich auf organisatorische und redaktionelle Aufgaben konzentrieren kann. Und er fährt gerne Auto – ich bin dafür eine gute Beifahrerin, das habe ich ihm zumindest versprochen. Funken haben wir auch gelernt, das wird ebenfalls meine Aufgabe sein, wenn wir im Kosovo das Camp verlassen. Also alles in allem eine gelungene Kombination!
Überrascht stellt einer meiner Kameraden während der Ausbildung fest, dass ich doppelt so alt bin wie er. Augenblicklich steigt mein Ansehen, da ich mir das Gleiche antue wie er mit seinen 23 Jährchen. (An diesem Tag hat es gefühlt 35 Grad und wir rennen in kompletter Schutzausrüstung inklusive Helm über den Schiessplatz. Ja, rennen. Ich.) Was neben Erinnerungen fürs Leben von diesem Tag bleibt, ist mein neuer Spitzname: Mami bzw. Mutti. Ich trage es mit Fassung (und freue mich insgeheim, dass er so überrascht ist). Im gesamten Kontingent bin ich zwar nicht die Älteste, aber im Stab ziehe ich den Altersschnitt tatsächlich nach oben.
Der Abschied
Am letzten Wochenende in der Schweiz erwartet mich am Samstagabend eine Überraschungs-Abschiedsparty mit lieben Menschen, mit Bedacht ausgewählten Geschenken, Züri Chäsfondue mit und ohne Gin, Walliser Weisswein (Petite Arvine von Sion), Edelweisshemden und Appenzeller-Gürtel, Schweiz-T-Shirts sowie einer komplett rot-weissen Dekoration. Ein Highlight: die selbstgestrickten Pulswärmer in olivgrün von meiner Ex-Chefin, damit ich im kalten kosovarischen Winter im Büro nicht friere. Ein bisschen mulmig wird mir langsam schon bei der Vorstellung, 6 Monate weg von zuhause zu sein. In den letzten Wochen konnte ich doch wenigstens das Wochenende daheim geniessen. Auf der anderen Seite freue ich mich auf die Erfahrung, in einem komplett neuen und internationalen Umfeld arbeiten zu können.
Das gesamte Kontingent ist froh, dass es nun endlich los geht. Die Ausbildung, in meinem Fall 12 Wochen, hat doch auf Dauer ihren Tribut gefordert.
Für rauchende Köpfe sorgt das Thema Gepäck. Es ist genau vorgeschrieben, welches Gepäckstück mit welchem Inhalt mitzunehmen ist. Beim Packen durchlaufe ich mehrfach verschiedene Phasen von «das passt niemals» bis «irgendwie wird’s schon gehen». Absolute Rettung (unbezahlte Werbung) sind die noch kurzfristig erworbenen Vakuum-Beutel, die bei den Klamotten wirklich einiges an Platz sparen und mit einem handelsüblichen Staubsauger bedient werden können. Zivile Kleidung benötigen wir natürlich ebenfalls, für den Sport und die Wochenenden. Samstagabend und Sonntag dürfen wir im Camp zivil unterwegs sein. Alles was nicht ins Gepäck passt, geht per Feldpost auf die Reise. Briefe und Pakete bis 5 kg können übrigens kostenlos verschickt werden (Wink mit dem Zaunpfahl 😉, Adresse auf Anfrage).
Das SWISSCOY Kontingent 49 ist bereit. Getreu unserem Kontingents-Motto «AUDENTIS FORTUNA IUVAT» – das Glück ist mit den Tüchtigen – starten wir in den Kosovo.
Neues aus der Rubrik «Frauen in der Armee»
Da der Text «Frauen in der Armee» im letzten Beitrag auf so viel Erheiterung und Zuspruch gestossen ist, werde ich versuchen, das Thema in jedem Blog- Beitrag aufzugreifen.
Heute: «Es hat auch Frauen hier!»
Schon etwas länger her, aber trotzdem noch lustig: Beim Einrücken in Stans-Oberdorf erhalten wir ein Welcome-Package, ähnlich wie in den Rekrutenschulen. Allerdings ist der Inhalt sehr männlich geprägt. Vor allem das Old Spice- und Axe-Deo sowie die Gillette-Rasierer sind wohl eher für die Kameraden oder die Partner zuhause gedacht. Falls jemand mit Kontakt zu den Sponsoren dies liest – vielleicht gibt es neutralere Produkte?
«S’Mami“ (im Schweizerdeutschen wirklich neutrum) geht jetzt zurück an die Arbeit.
PS: Auf Instagram finden sich neben camoisthenewblack.ch unter dem offiziellen SWISSINT Account peace_support immer wieder Beiträge von unserer Mission.


* Die grösste Herausforderung für den Fotografen: Ich. Ich gucke nämlich auf allen Bildern wahnsinnig streng. Dabei bin ich eigentlich ein sehr fröhlicher Mensch. Zumindest kann ich sagen, ich nehme den Job ernst. So wie beim Change of Command, dem offiziellen Start für das SWISSCOY Kontingent 49 im Kosovo (Bild 2).

Danke für die Blumen in Sachen selbstgestrickte Pulswärmer! Hat Spass gemacht und ich hoffe, sie leisten dir gute (wärmende) Dienste!
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Die sind einfach grossartig und ich werde schon darum beneidet!
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teilst du mir bitte die adresse mit?
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S’Mami… ich schmeiss mich wach, Seitz. Fantastisch, wie Du Deine so schöne Selbstironie hier als Stiletto einsetzt. Ich liebe es, wie Du weisst.
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Ein solches Lob aus deiner Feder – du siehst mich erröten.
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