Der Ausbildungskurs – Es grünt so grün …

Der Ausbildungskurs – Es grünt so grün …

Seit 7 Wochen bin ich zurück auf dem Waffenplatz Stans-Oberdorf. Nachdem ich mir im Januar bei der Allgemeinen Grundausbildung (AGA) bei Minusgraden fast die Finger auf dem Schiessplatz abgefroren habe, stehen wir jetzt bei teilweise über 30 Grad in der prallen Sonne.

Zum Glück tragen wir während der Ausbildung im Sommer den sogenannten Wüsten-TAZ, einen leichteren und helleren Tarnanzug. Kombiniert mit der Schutzausrüstung, also Splitterschutzweste und Helm, ist die Erleichterung allerdings rasch dahin. Auch die ABC-Schutzausrüstung mit Atemschutzmaske führt jetzt eher zu Schweissausbrüchen wegen der Hitze und nicht wegen des eingeschränkten Sichtfeldes. Aber es ist wirklich interessant, bestimmte Ausbildungssequenzen und Ausrüstungen in beiden Wetter-Extremen kennenzulernen.

Von grünen Ferien, wie der Militärdienst in der Schweiz oft scherzhaft genannt wird, kann also nicht die Rede sein. Auch wenn die Umgebung im Sommer wirklich einem Postkarten-Idyll gleicht.

Der Ausbildungskurs (AK), die einsatzbezogene Ausbildung, hat begonnen und ein Grossteil des Kontingents ist eingerückt. Einige Kameraden und Kameradinnen, die aktuell bereits im Einsatz sind, verlängern und werden erst am Ende der Ausbildung oder im Einsatzraum zu uns stossen. An der Fahnenübernahme habe ich meinen ersten offiziellen Auftritt als Presse- und Informationsoffizier und darf den Anlass moderieren. Neben der klassischen Medienarbeit und der internen Kommunikation, zum Beispiel die Redaktion der Truppenzeitung, gehört die Moderation und Begleitung von offiziellen Anlässen zu meinem Aufgabenspektrum.

Vor dem AK habe ich als Schlüsselkader bereits 5 Wochen Vorbereitungskurs absolviert, in dem die Vorarbeiten für die Entsendung des Kontingents geleistet werden. Der Stab ist vergleichbar mit der Geschäftsleitung, die für die erfolgreiche Führung eines Unternehmens – in unserem Fall eines Kontingents – verantwortlich ist. Hier wird geplant und konzipiert, um möglichst gute Voraussetzungen für den Einsatz zu schaffen.

Auch wenn es Teile gibt, die an die AGA erinnern – unter anderem Schiess-, Sanitäts- und ABC-Ausbildung – ist die Arbeit in einem Stab doch etwas ganz anderes. Konzepte und Befehle schreiben, Meetings (hier Rapporte genannt) und in meinem Fall viel Büroarbeit. Dafür habe ich mit meinem mittlerweile eingerückten Stellvertreter einen eigenen Bürocontainer. Daneben findet natürlich weiterhin die praktische Ausbildung statt. Die Tage sind also lang und ausgefüllt (hier ein lahmer Versuch, die lange Pause zum letzten Blogbeitrag zu rechtfertigen).

Einige Highlights der ersten Wochen:

Fitnesstest der Armee (FTA) zum zweiten

Juchuuuu, das Grauen ist zurück. Und nein, natürlich habe ich im Vorfeld nicht mit dem Joggen begonnen, obwohl ich es fest vorhatte. Trotzdem habe ich bestanden, sogar mit «sehr gut». Spoiler: Es gibt eine Alterstabelle, und der Sprung von 45 zu 46 hilft enorm 😉

Noch mehr Abkürzungen

Obwohl ich mittlerweile nicht mehr bei jedem Satz nachfragen oder nachschlagen muss, kommt die Verwirrung auf ein neues Level: die englischen Abkürzungen, da wir uns im Einsatz im internationalen Umfeld bewegen.

Entgegen anderslautender Gerüchte bezeichnet mein Grad im Englischen übrigens nicht den Körperumfang: Spec(k) Officer 😉 steht für Specialist Officer, auf Deutsch Fachoffizier. Obwohl das weiterhin sehr leckere und reichliche Essen in der Kantine durchaus auch mopplige Offiziere schaffen kann.

Erste Tage im Kosovo

Im Rahmen einer Einweisung verbringe ich mit den anderen Schlüsselkadern bereits einige Tage im Einsatzraum, damit wir uns ein Bild des Arbeitsalltags verschaffen und uns mit den jeweiligen Vorgängerinnen und Vorgängern austauschen können. Für mich ist besonders interessant, wie das eigentliche Leben im Camp funktioniert. Wo und wie isst man? Wie sehen die Schlafcontainer aus? Gibt es Sportmöglichkeiten? Dazu folgt sicher ein weiterer Bericht aus dem Einsatz, wenn wir vor Ort sind.

Ein weiteres erstes Mal – Verkehrskontrolle

Ich bin in meinem bisherigen Leben noch nie in eine Verkehrskontrolle geraten. Prompt erwischt es mich in der Fahrausbildung bei einem 2-tägigen Refresher-Kurs. Und dann durch die Militärpolizei. Innerlich völlig angespannt, versuche ich souverän meine Papiere dem wirklich sehr netten MPler zu überreichen. Alles gut, wir können passieren und ich bitte den freundlichen Herrn noch ganz korrekt, mich rückwärts aus dem Parkplatz zu lotsen. Im Militär fährt man nämlich nicht einfach rückwärts, sondern der Beifahrer ist für das Einweisen zuständig.

Frauen in der Armee

Dieses Thema gibt immer wieder Anlass zu Heiterkeit. Zitat eines (männlichen) Ausbildners: «Wir Frauen müssen auch unseren Mann stehen!». Aha. Dazu bei der Ausbildung zum militärischen Protokoll der Hinweis, in Uniform seien alle gleich. Trotzdem erhalten eine Kameradin und ich bei der Tischordnung eines offiziellen Abendessens den Zusatz «Dame» bei unseren Graden und Namen und werden «zur Unterhaltung» neben dem Ehrengast platziert. Zwei weitere Frauen haben diesen Zusatz nicht. Ich vermute, «Dame» ist frau erst ab 45.

In diesem Sinne meldet sich die Dame in Uniform für heute ab …

9 Gedanken zu „Der Ausbildungskurs – Es grünt so grün …

  1. Liebe Aisha, vielen Dank für diese spannenden Einblicke! Beim letzten Absatz musste ich laut lachen… Ehrendamen… 🤣
    Weiterhin viel Erfolg und Spass!
    Liebe Grüsse, Ursula

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Aisha
    Danke für deine wie immer lockeren und humorvollen Informationen.
    Die Tischkarten mit dem Zusatz Dame sind mir etwas schräg reingekommen.
    Vor ca. 40 Jahren wurde bei den „männlichen“ Offizieren der Herr abgeschafft.
    Die Dame wäre wenn schon Frau. Vielleicht ist die Dame englisch, weil es jetzt um internationale Gepflogenheiten geht. Also beim Herr Hauptmann neu Sir.🤔

    Liebe Grüsse
    Röbi

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse eine Antwort zu Dorothea Studerus Antwort abbrechen