3 Wochen allgemeine Grundausbildung (AGA) und 1,5 Wochen Fahrtraining sind bereits Vergangenheit.
Ich bin (vorerst) zurück im zivilen Leben und muss mir wieder jeden Tag selbst überlegen, was ich anziehen und einpacken soll. Zum Glück ist mein privates Farbkonzept recht einfach: «Schwarz ist bunt genug.»
Mein Fazit mit etwas zeitlichem und räumlichem Abstand: Es war unglaublich anstrengend, aber auch unglaublich spannend. Die AGA umfasst neben theoretischen Lektionen unter anderem Schiessausbildung mit der Pistole (meiner persönlichen Waffe), Selbstverteidigung, einen Auffrischungskurs in erster Hilfe, Kartenlehre, militärische Grundkenntnisse wie Grüssen und Marschieren sowie ABC-Ausbildung (atomar, biologisch, chemisch – das mit der Schutzmaske 😉).
Vieles davon ist durchaus auch im zivilen Leben nützlich. Auch das Fahrtraining im Anschluss mit Fahrschule, Geländefahren, Sicherheitstraining beim TCS, Reifenwechsel und Schneeketten anlegen ist eine gute Auffrischung der privaten Fahrkünste. Ein vollgepacktes und intensives Programm, insbesondere wenn die militärischen Vorkenntnisse fehlen. Die Ausbildner (ja, leider in unserem Fall aktuell keine Frauen) und unser Kursleiter machen einen super Job und erleichtern uns den Einstieg ins militärische Leben.


Kurz vor der Abschlussübung verdrehe ich mir zu allem Überfluss beim Absetzen des Kampfrucksacks mit voller Beladung den rechten Daumen. Das beschert mir einen Besuch im Spital Stans auf der Notfallstation zum Röntgen – in voller Montur. Ein deutscher Oberarzt, der mich im Wartezimmer sitzen sieht, fragt mich, ob ich mit diesem astreinen Hochdeutsch eigentlich von der Bundeswehr oder der Schweizer Armee sei. Ich kann ihm glaubhaft versichern, dass der Dienst in der Schweizer Armee nur mit einem Schweizer Pass möglich ist. Wie überall muss ich auch hier feststellen: Die Bevölkerung begegnet uns immer sehr freundlich und interessiert, vor allem wenn wir als reine Frauengruppe unterwegs sind.
Gottseidank ist nichts gebrochen und nichts gerissen, aber die Hand wird geschient, ich kann am nächsten Tag nicht am Schiessunterricht teilnehmen (was mich wirklich nervt) und verpasse leider auch weitere Lektionen. Zum Glück bestehe ich die Schiessprüfung trotzdem. Die 1,5-tägigen Abschlussprüfung kombiniert das theoretisch Gelernte mit praktischen Übungen, inkl. Übernachtung mit nächtlichem Wachdienst, einem Marsch in voller ABC-Montur und einem 10 km-Marsch zurück in die Kaserne – ganz ohne Blasen, weil die neuen braunen Kampfstiefel und die Militär-Socken wirklich gut und bequem sind.
Nun zu den gängigsten Vorurteilen (ja, die hatte ich auch – und zwar jede Menge):
Vorurteil 1: Das Essen in der Kaserne ist schlecht und zu wenig
Falsch. Die Waffenplatzküche in Stans-Oberdorf macht Fresspäckchen von zuhause komplett überflüssig. Das Essen ist sehr gut, reichlich, abwechslungsreich und es gibt da noch die berühmte Zwischenverpflegung «Zwipf», heissen Tee und Obst. Gerade an den kalten Tagen draussen eine echte Rettung. Meine Erkenntnis: Ich habe permanent Hunger. Wenn man es nicht gewohnt ist, den ganzen Tag auf den Beinen und viel draussen zu sein, stellt sich der Körper schnell um. Irgendwann beschränken sich die Grundbedürfnisse auf: «Kalt, Hunger, müde, Pipi» 😊
Nur die Kaffee-Junkies kommen nicht so recht auf ihre Kosten, es gibt nur löslichen Kaffee beim Frühstück. Oder man macht einen Ausflug ins – eher teure – Bistro. «Tipp vom Grosi» (Anmerkung der Redaktion: Schweizerdeutsch für Grossmutter und einer der Lieblingssprüche unseres Kursleiters): Münz für den Automaten dabei haben, hier ist die Digitalisierung noch nicht durchgängig umgesetzt.
Weitere Vorurteile und ihre Auflösung folgen im nächsten Beitrag.
Aber fürs Erste heisst es für Fachoffizier Seitz: «Melde mich ab!»
