Das Einrücken und die ersten Tage – «You’re in the army now!»

Das Einrücken und die ersten Tage – «You’re in the army now!»

Fast genau ein Jahr nach dem Abschicken meiner Unterlagen ist es soweit: Ich rücke an einem Dienstag Abend mit dem ÖV in die Kaserne Stans-Oberdorf zur Allgemeinen Grundausbildung (AGA) bei der SWISSINT ein.

In meinem Kopf spielt nonstop der Status Quo-Song «You’re in the army now». Bereits im Bus fallen mir 3 Frauen auf, die mit ähnlich viel Gepäck unterwegs sind – und tatsächlich, auch sie steigen bei der Kaserne aus. Fun fact: Eine heisst ebenfalls Aisha. Wir haben beide noch nie zuvor im europäischen Kontext eine Namensvetterin in einer Gruppe angetroffen!

Nach der offiziellen Anmeldung in der Kaserne beziehen wir unsere Wohncontainer, die unser Zuhause für die nächsten  Wochen sind. Sie sind dem Camp nachempfunden, in dem wir vor Ort im Einsatzgebiet untergebracht werden. Die Zuweisung funktioniert problemlos, die Türen sind bereits mit unseren Namen und unseren zukünftigen Dienstgraden beschriftet (in meinem Fall: Fachoffizier). In den Containern wohnt man zu zweit, es gibt zum Glück eine Heizung. Toiletten und Duschen sind auf dem Gang.

Fehlende Privatsphäre war im Vorfeld eines meiner grössten Bedenken, neben Schlafmangel, den sportlichen Anforderungen und meiner Abneigung gegen stark hierarchische Systeme. Meine Zimmernachbarin ist sehr sympathisch, wir fallen aber beide recht schnell ins Bett. Zu sagen ich sei gespannt ist eine Untertreibung. Hab ich mir das Ganze wirklich gut überlegt? Passen die Klamotten? Wie schwer ist die Ausrüstung? Gibt es eigentlich mittlerweile in der Armee Unterhosen für Frauen? Fragen über Fragen … Entsprechend schlecht schlafe ich auch, und um 6.00 steht bereits das Frühstück auf dem Plan.

An Tag 1 rücken die restlichen Kamerad:innen ein. Zuerst stehen das Fassen der Ausrüstung und die Einführung an. So ganz sicher, ob ich alles Notwendige dabei habe, bin ich nach wie vor nicht. Der Befehl zum Einrücken und der mitgesandte Stundenplan (in der Armee Picasso genannt) strotzen nur so vor Abkürzungen und unbekannten Ausdrücken. Auf Anraten eines Freundes habe ich die externe App «iOf» installiert, in der viele Informationen rund um die Armee zu finden sind: Abkürzungen, militärische Grade, Dokumente etc. Ein kleiner digitaler Retter in der Not.

Die ersten 3 Tage vergehen wie im Flug. Wir bekommen eine komplette Einsatzausrüstung, die aus gefühlt tausenden von Teilen besteht. Von diversen Tarnanzügen (TAZ) über Helm und Stiefel bis hin zu ABC-Schutzausrüstung füllen sich unsere Taschen und Kisten. Alles muss anprobiert, angepasst und beschriftet werden. Dazu gibt es die ersten theoretischen Lektionen. Die Tage sind lang und abwechslungsreich und enden oft erst nach 22.00 Uhr. Es stehen ein erster Marsch und der Umgang mit der Waffe auf dem Stundenplan, Präsentationen sind vorzubereiten und zu halten und mein persönlicher Horror am Freitag: der Sporttest der Armee.

Am Freitag Nachmittag werden wir für das Wochenende – bis Sonntag Abend um genau zu sein – nach Hause entlassen und ich will nur noch eines: in Ruhe duschen und ins Bett.

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